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28.06.2012 - Anhaltischer Weinbau als Teil der Landeskultur

Rückblick auf eine Heimatkultur von einst landschaftsprägender Bedeutung
Beitrag zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt von Bernhard Gremler

Entwurf für ein Flaschenetikett zum Anhalt-JubiläumSaalewein muss einmal äußerst  begehrt gewesen sein, denn in „Fürst-Brüderlicher“ Teilung besaß Anhalt-Dessau den dreieinhalb Hektar umfassenden Grönaer Weinberg und Anhalt-Köthen die Nienburger Rebflächen. Diese befanden sich am linken Ufer über der Bode, der Klosterweinberg mit etwa drei bis vier Hektar Fläche flussauf weiter westlich und ein sehr gelobten Weingarten auf den Terrassenhöhen vor dem Schloss.
Das war gegenüber der Dominanz von  Anhalt-Bernburg eher wenig. Die Bernburger Herrschaft betrieb eine eigene Rebschule an der Ziegelscheune in der Talstadt und ihre Hofkellerei in den Gewölben unter dem Langhaus von Schloss Bernburg mit diversen Mengen von Weinfässern aus Eichenholz mit Füllmengen bis 7000 Liter. Der ganze Weinbetrieb wurde von einem Weinbauinspektor geleitet als verlängerter (Wein) Arm der Fürsten. Im Jahre 1806 erhielt der Fürst von Anhalt-Bernburg vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Wien die Erhebung in den Herzogstand ausgesprochen und verlieh seinen Weinbauern eine festliche Dienstkleidung.
Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen versuchten sich ein wenig schadlos dadurch zu halten, dass sie in südlichen Höhenlagen über der Wipper kleinere Flächen dem Weinbau erschlossen. Dies geschah hauptsächlich bei Warmsdorf (immerhin mit 1,8 Hektar) sowie bei Kleinschierstedt, Giersleben (mit einer Winzerei) und Sandersleben. Die aufgerebten Flächen auf den Uferhöhen in der Flusslandschaft der Saale, in viel kleinerem Maßstab auch über Wipper und Bode, zeigten ein abwechslungsreiches gepflegtes Panorama von Landeskultur, bestückt mit weinbergtypischen Baulichkeiten wie Winzerlauben, Weinberghütten, ja im Falle von Bernburg sogar mit Warttürmen und einem barocken Pavillon, was alles dem Hause Anhalt über Jahrhunderte hinweg zu verdanken war.
Franz Stieler, der wohl bedeutendste heimatforscher der jüngeren Zeit, spricht für den Bereich der Saale von einem langgestreckten Kranz mit vielen Blütentupfern in Form von Rebflächen an beiden Ufern des Flusses, am westlichen mehr als östlichen.
Auch die alt-bewährte Rebsorte, der BLAUE BERNBURGER WEIN, ist zwar keine Errungenschaft der askanisch-anhaltischen Fürstenhäuser, wohl aber der anhaltischen Landschaft der Region Bernburg und avancierte durch den umfassenden und sofort nach 1777 vollzogenen Anbau durch die Fürstenhäuser zur Rebsorte der Region „Bernburg-Untere Saale“.
Auf jeden Fall gebührt es höchste Anerkennung, dass nach dem furchtbaren Zerstörungswerk des 30-jährigen Krieges, als alle Weinberge scheinbar rettungslos vernichtet waren, die anhaltischen Fürsten schon 1646 mit der Wiedererweckung der Rebkultur begannen, sehr erfolgreich und Beispielgebend für die Region. Als es vollendet war, konnte Fürst Victor Amadeus von Anhalt-Bernburg 1660 vor den Ratsschenken seiner Herrschaft genüsslich verkünden: „Sie würden jederzeit mit solch tüchtigen Weinen versehen, dass niemand mit Fug Ursach zur Beschwerde haben möge!“  

Quelle: Bernburger Bär - Zeitschrift für Heimat, Mundart und Weinbautradition, 50. Jahrgang - I./II. Quartal 2012 - Nr. 128, S. 18-20
     

 

 



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