HomeStartseiteKalenderblätter

28.12.2012 - Vom Essen im alten Anhalt

Bauern auf einem Jahrmarkt - Eisenradierung von Daniel Hopfer (Bild zur Anschauung)Hauptnahrungsmittel im alten Anhalt waren Brot und Kartoffeln. Ergänzt mit Fleisch, Wurst und Speck ließen sich nahrhafte und schmackhafte Gerichte auf den häuslichen Tisch bringen. Durch Verwendung von Gemüse und Obst, welches hier prächtig wuchs, sind phantasievolle Speisen zubereitet worden, die so mancher fremden Zunge ob des Wohlgeschmackes ein ungläubiges Staunen entlocken. Man denke da nur an Milchreis mit Zucker und Zimt und Bratwurst. Hierbei ist allerdings anzumerken, daß es sich bei der Bratwurst nicht um die bekannte Thüringer handelt, sondern um ein Stück geräucherter Schinkenwurst mit Kümmel, die eben hier Bratwurst heißt. Auch die Namen der Gerichte sind vielfach seltsam, doch die Anhalter wissen Bescheid, was mit „Klump“ und „Titsche“ gemeint ist, und wie häufig sie in der regionalen Küche anzutreffen sind. Schrieb doch der Brauch auch vor, wann fleischlos gekocht werden musste. Tage, an denen es in Anhalts heimischer Küche Fleischgerichte gab, waren Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Am Montag, Mittwoch und Freitag kamen Hülsenfrüchte, Mohrrüben, Kohlrüben und Kohl auf den Tisch, während das Sonnabendgericht der Kartoffelbrei war. Das erklärt nun auch endlich den als Kind viel vernommenen Spruch „Kartoffelbrei, Kartoffelbrei, die Woche ist vorbei“. Dem Genuß der Kartoffel hat sich auch Anhalt verschrieben. Doch der nachfolgende Reim scheint wohl heute nicht mehr zutreffend zu sein.

Des Morgens Kartoffelsupp,
Des Mittags Kartoffelbrei,
Des Abends Kartoffeln ganz,
Hier wohnt Kartoffelhans.

Quelle:  "Anhaltische Küche", Eine Auswahl beliebter Rezepte aus der Region Anhalt, von Regina Erfurth



Kalenderblatt vom 28.12.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen