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29.05.2012 - Dornburg – ein kleiner Ort als großer Streitpunkt

Das Schloss in DornburgUmgeben vom Biosphärenreservat Mittelelbe in der Nähe von Leitzkau liegt die Gemeinde Dornburg. Was früher zum anhaltischen Fürstentum gehörte, ist heute ein Ortsteil der Stadt Gommern im Jerichower Land und hat eine kleine, aber doch aufregende Geschichte.
Bereits im 8. Jahrhundert ließen sich hier die Slawen nieder und bauten eine erste Siedlung. Im 12. Jahrhundert war Dornburg eine askanische Ritterburg mit ständig wechselnden Burgherren. Albrecht der Bär soll in der Gegend um Dornburg gelebt und 1155 das Kloster in Leitzkau gegründet haben. In diesem Zusammenhang wird Dornburg auch erstmals urkundlich in einer Schenkungsurkunde erwähnt.
1436 fielen die Kursachsen in Dornburg ein, plünderten den Ort und zerstörten die Burg, die daraufhin eine Ruine blieb. Der Besitz wanderte danach von einem zum anderen Eigentümer, so auch zur Familie von Latorf oder von Münchhausen. Da aber letzterer Enkel 1674 erbenlos verstirbt, eignete sich die Linie Anhalt-Zerbst Dornburg an, ungeachtet des eigentlichen Erbrechts der Neffen von Münchhausen.
Es entbrannte ein langjähriger Streit um das Gut. Die Familie von Münchhausen ging in ihren Prozessen bis vor den kaiserlichen Reichshofrat in Wien, eines der höchsten Gerichte im Heiligen Römischen Reich. Den letzten Versuch starteten die Münchhausens 1788 unter Androhung von gewaltsamer Aneignung „ihres“ Dornburgs. Diese Versuche blieben jedoch immer ohne Erfolg und Dornburg weiterhin in Zerbster Hand, war mittlerweile sogar fürstliches Amt.
Im Jahre 1684 vermachte nämlich der Zerbster Fürst Karl Wilhelm seinem Bruder Johann Ludwig das Gut, der daraufhin die Fürstenlinie Anhalt-Dornburg gründete. Dornburg wurde bald der Witwensitz seiner Frau und 1690 dem Prinzen Christian August, dem Vater der späteren Zarin Katharina II., zugesprochen. Johanna Elisabeth von Anhalt - Zerbst, die Mutter von Katharina der Großen, ließ ab 1751 das noch heute bestehende Schloss vom Architekten Friedrich Joachim Stengel errichten. Seitdem hat der imposante Barockbau auch schon so manchen Besitzer gesehen.

Als Ende des 18. Jahrhunderts die Zerbster Linie ausstirbt, geht Dornburg nach Anhalt-Köthen über und ist ab 1818 anhaltische Exklave im preußischen Kreis Jerichow. Im Mai 1872 verkaufte die Herzogliche Hofkammer in Dessau den Ort mit Schloss an den Amtsrat Justus Hühne.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Dornburg drei Jahre lang militärische Ausbildungsstätte der Wehrmacht. Nachdem das Schloss den Krieg relativ unbeschadet überstanden hatte, war es in den Nachkriegsjahren zunehmend der Ausplünderung vor allem von Bau- und Heizmaterial preisgegeben. Als 1954 eine Instandsetzung begann, konnte man beim Schloss nur noch von einer Ruine sprechen. Im Jahre 1959 fand sich mit der Staatlichen Archivverwaltung Potsdam schließlich ein neuer Nutzer.

Nach der Wiedervereinigung wurde das Archivmaterial von der Bundesrepublik übernommen. Das Schloss wurde geräumt und ging an das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt über. Von 1999 bis 2001 wurden der Dachbereich und Teile der Attika restauriert. 2008 wurde von obersten Denkmalpflegebehörde des Landes beschlossen, das Schloss nicht als Archiv zu nutzen. Damit wurde das Schloss in eine ungewisse Zukunft geschickt.

 



Kalenderblatt vom 29.05.2012

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